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Sachbericht Zeitzeugengespräche 2018

Sachbericht Zeitzeugengespräche 2018

Fragt uns, bevor es zu spät ist!

Hier finden Sie die Termine zu unseren Begegnungen mit Zeitzeugen.

Wir laden Interessierte sehr herzlich ein, sich zwecks Teilnahme mit uns in Verbindung zu setzen.

 

 

Michael Maor (c) Hilde Hildenhagen

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Sachbericht Zeitzeug*innenbegegnungen im Jahr 2018

Auch in diesem Jahr durften wir wieder Zeitzeugen aus Israel in Deutschland begrüßen.

Zu unseren Gästen zählten Zipora Feiblowitsch, Halina Birenbaum, George Shefi,

Schoschannah Direnfeld, Tamar Landau und Michael Maor

Alle Zeitzeugenbegegnungen, kann in der Rückschau auf dieses Jahr zusammengefasst werden, waren beeindruckend und erfolgreich- für die SchülerInnen , LehrerInnen, Mitarbeitenden.

Es ist für uns eine große Herausforderung und ein Geschenk, den uns inzwischen nahestehenden Menschen zu begegnen, sie zu begleiten, das differenzierte Programm der Begegnungen vorzubereiten, für ihre angemessene An- und Abreise, einen angenehmen Aufenthalt und die würdige Unterbringung Sorge zu tragen, ihnen partnerschaftlich zu begegnen und alle Fahrdienste mit Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Vorsicht zu übernehmen und zu leisten.

Die Vorbereitung und Durchführung der Begegnungsprogramme erfordert Kreativität und ein hohes Maß an partnerschaftlichen empathischen Fähigkeiten – mit den Leitungen der Schulen und Bildungseinrichtungen, mit den LehrerInnen und vor allem mit den Schülern, Auszubildenden und Studierenden.

Diejenigen unseres gesamten INI-Teams, die sich diesen Herausforderungen gestellt haben, haben in der Regel für ihr eigenes Leben den größten persönlichen Gewinn. Sie haben echte Freundschaft gefunden und durch die persönliche Begegnung unbegreiflich tiefe Einsichten für ihr ganzes Leben gewonnen.

Zipora Feiblowitsch beeindruckt als Auschwitzhäftling durch ihre Offenheit und Freundlichkeit und Zugewandtheit zu Jugendlichen.

Der Tag war kein Tag und das Leben war kein Leben“- das ist nicht nur der Titel des Buches über ihre Biographie , sondern die Tiefenerfahrung ihres Lebens – aber eben im Zusammenhang mit ihrer Offenheit und dem Freisprechen der Jugendlichen hier und heute.

Halina Birenbaum – ebenfalls Auschwitzhäftling – berichtet authentisch ihre

Geschichte vom Warschauer Ghetto – bis nach Auschwitz und in die Freiheit.

Ermordung der Familie, fast aller nahestehender Menschen, Ängste und Begegnung

mit Dr. Mengele – aber „die Hoffnung stirbt zuletzt“. Die Jugendlichen haben

mit großer Empfindsamkeit ihre Geschichte gehört und aufgenommen – und an ihrer Geschichte verstanden, was Antisemitismus und Nationalsozialismus bedeutet.

George Shefi erzählt seine Geschichte von der Kindheit in Berlin, dem Zerbruch seiner Herkunftsfamilie, zur Rettung nach England – nach Amerika, nach Kanada, nach Israel – und immer wieder mit der Frage nach seiner Mutter und dem Vater.

Seine Geschichte, sein „Weg des Schicksals“ nimmt die Jugendlichen in eine Kindheitsgeschichte hinein – und erspart ihnen die Grausamkeit der KZ-Schilderung, aber nicht die Unfassbarkeit der brutalen Folgen des Naziregimes.

Schoschannah Direnfeld erzählt mit verhaltener Stimme, was ihr und ihrer Familie durch die Naziherrschaft geschah, welche Entwürdigung und welche Demütigung- Auschwitz, Ermordung, ein nicht beendendes Trauma und immer wieder Träume des tags und des nachts.

Die Jugendlichen sind bei ihren Schilderungen selbst sehr still geworden

und hingen an ihren Lippen.

Sie hat sehr still ihre Seelen berührt und ihre Zuwendung gewonnen. Sie haben verstanden.

Tamar Landau fragte nach dem Ende des Krieges – nach dem Todesmarsch von Polen über Dresden und Flossenbürg dann in Bergen Belsen, wann ihre Mutter kommen wird. Sie aber kam nicht. Tamar hat auch das Lager Bergen-Belsen überlebt. In Hamburg-Blankenese fand sie dann ihren Mann Simcha („Die Kinder von Blankenese“) und ging mit ihm nach Israel- in ihrer Seele und hinter sich die Erfahrungen des Lagers, des Todesmarsches. Sie wurde Erzieherin, Lehrerin, Begleiterin von sehr vielen deutschen Gruppen durch Jerusalem, durch Yad Waschem, eine Brückenbauerin und Mutmacherin.

Michael Maor – die Geschichte eines Mannes, „der aus der Hölle kam“.

Was ist aus diesem Waisenkind Michael Sternschein geworden?

Er hat Brutalität und grausame Härte erlebt. Auch die Leute im Kibbutz,

als er nach der Zeit im KZ und dem Tod der Eltern schließlich mit einem anderen Jungen aus Jugoslawien über Italien nach Israel kam, waren sehr herbe zu ihm. Freundschaft, Verbindlichkeit, Verlässlichkeit – kam erst in der Armee in sein Leben.

Und dann hat er besondere Aufgaben übernommen – beim Geheimdienst, beim Mossad. Adolf Eichmann ist auch mit Hilfe der von ihm geheim organisierten Akten verurteilt worden. In Deutschland hatte der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer es als sehr unwahrscheinlich angesehen, dass Eichmann in der Bundesrepublik für seine Taten zur Verantwortung gezogen wird. Deshalb gab er dem Mossad den Tip, wo Eichmann zu finden ist und wann und wo die Eichmannakten zu finden sein würden. Michael Maor hat sie dann für den Mossad und den Prozess organisiert.

Israel ist sein Land, seine Heimat. Da hat er seine Aufgabe, sein Schicksal gefunden, auch seine jemenitische Frau und schließlich seine Familie. Er betrachtet die junge Generation in Deutschland als nichtschuldig, aber – wie die anderen Zeitzeugen auch – als dafür verantwortlich, dass sich die Nazizeit nicht wiederholt.

Fazit : So lange Zeitzeugen bereit sind, jungen Leuten in Deutschland Zeitzeugen-Berichte zu geben, fühlen wir uns verpflichtet, diese Arbeit fortzusetzen.

Und wir haben auch intensiv darüber nachzudenken, was in diesem Zusammenhang geschehen kann, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, sich dafür zur Verfügung zu stellen.

Rudi-Karl Pahnke

06.12.2018

Wir bedanken uns sehr herzlich bei der Flick-Stiftung, der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft, der BoB-Stiftung und dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport für die Förderung dieser Begegnungen.

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