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George Shefi aus Israel war mit seiner Frau Yael vom 26.6.-3.7. in Brandenburg

George Shefi aus Israel war  mit seiner Frau Yael vom 26.6.-3.7. in Brandenburg

360 Jugendliche und Kinder haben vom 27.06.-1.7. 2016 die Lebensgeschichte von George Shefi aus Israel gehört.

Sie waren gebannt von seinem Bericht. Er hat in seiner deutschen Mutterherkunftssprache erzählt und manchmal in seiner englischen „Stiefmuttersprache“, denn seine Mutter sprach ja deutsch, aber sie hat ihn – um sein Leben zu retten- losgelassen und auf die Reise nach England geschickt. Damals war er sieben Jahre alt – und seine Mutter hat er danach nie wieder gesehen. Da wurde englisch seine Muttersprache.

Seine Mutter ist an dem Tag seiner Abreise von der Friedrichstraße noch eilig mit einer Taxe nach Grunewald gefahren, um ihm im Zug zuzuwinken, als er schon im Zug saß. Er hat sie aus dem Zug noch gesehen, wie sie auf den Gleisen nach ihm Ausschau hielt, aber sie ihn wohl nicht mehr. Das war sein letzter Blick auf seine Mutter.

Dann kam er nach England und musste sich irgendwie zurechtfinden und durchschlagen – und sie kam mit ihrer Schwester nach Auschwitz, wo sie keine Nummer eintätowiert bekam (es gibt in den Dokumenten der deutschen Nazibürokraten für sie keine Nummer); denn offensichtlich wurde sie dort sofort mit Zyklon B ermordet und verbrannt. Es gab kein Lebenszeichen mehr von ihr. Seine Familie war nicht religiös und er ist es auch nicht, aber Zufall kann es für ihn ja doch nicht sein, dass er seinen Vater nach 35 Jahren wiederfand.

George schlug sich durch. Seinen Vater hatte er nicht gekannt, die Eltern hatten sich getrennt.

Nach 35 Jahren Jahren fand er ihn – durch Zufall – weil er seinen Familiennamen durch eine beabsichtigte Adoption widerständig doch nicht ändern ließ. Von Geburt an hieß er Spiegelglas – und so fand er durch Zufall oder durch Fügung seinen Vater, der inzwischen in Australien lebte, eine Familie hatte – und George hatte nun plötzlich eine Halbschwester.

Nach dem Krieg kam er nach Israel – in das Land, das ihm zur Heimat wurde. Nach der Heirat mit Yael wurde der gemeinsame Name nun einvernehmlich verkürzt auf Shefi.

Ein Ort, von dem Juden aller Kulturen und Weltanschauungen nach 1948 nun sagen konnten: das ist mein Land, meine Heimat. Da können wir hinfliehen, wenn das Leben woanders für uns nicht mehr möglich ist. Er hat das Land auch verteidigt – in fünf Kriegen.

Nach Deutschland wollte er nicht – und deutsch wollte er nicht sprechen.

Das war die Sprache der Mörder seiner Mutter.

Irgendwann aber wurde er nach Deutschland geschickt, um zu lernen, zu lehren, eine israelische Gruppe zu begleiten, George, ein Ingenieur, ein Lehrer, ein Leiter eines Betriebes.

Und das war ein neuer Anfang. Nun sprach er dann später im Landtag von Saarbrücken – und jetzt wiederum vor 360 Schülern von Brandenburg.

Er begann seinen Bericht immer damit, dass er den Schülern und Jugendlichen sagte : „ Ihr seid nicht schuldig an dem, was damals geschah, aber ihr seid doch verantwortlich, dass es nie wieder geschieht.“

 

Er hat ohne Zorn und Eifer gesprochen – aber wir alle hingen förmlich an seinen Lippen und hoffen, dass er nächstes Jahr wiederkommt – und noch oft – so lange er mag und kann.

Wir wünsches es uns sehr – besonders auch um der nächsten Generationen willen.

Rudi-Karl Pahnke, 4.6. 2016

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