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Begegnungen mit der Zeitzeugin Halina Birenbaum 11.05.-18.05.2017

in : Lutherstadt Wittenberg/ Königs Wusterhausen/ Potsdam/ Berlin-Lichtenberg

Diese Begegnungen hatten es in sich : 200 Schüler haben die Lebensgeschichte von Halina Birenbaum gehört:

Das Aufwachsen in Warschau, Leben im Warschauer Ghetto, Deportationen aus dem Ghetto (Tod des Vaters und Bruders und vieler Verwandter), Ghettoaufstand und Leben im Versteck, Deportation nach Majdanek, dann nach Auschwitz. Ermordung der Mutter und Tod der Schwägerin und Freundin), Todesmarsch nach Ravensbrück und Neustadt-Glewe – Befreiung und endlich der Weg nach Israel.

Diese Geschichte ist bedrückend, aber Halinas Lebenmotto ist : Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Sie hat ihre Geschichte aufgeschrieben – aber nicht nur diese. Sie ist eine Dichterin und Schriftstellerin. Ihre Gedichte und Geschichten sind Anlässe, dass besonders Jugendliche ihr Briefe schreiben und Botschaften – über Facebook oder als e-mail.

Und sie antwortet auf die Briefe und Fragen und wendet sich den Jugendlichen zu.

Manche Menschen ( auch in Israel) mochten nicht, dass sie auch über die Auseinandersetzung zwischen den Menschen im Ghetto (mit der jüdischen Ghettopolizei) oder in den KZ’s berichtet. Man wollte das lange Zeit nicht hören – dieses Bild wollte man nicht. Aber die Zeiten haben sich geändert und manche anderen haben ja inzwischen auch darüber berichtet – und dann gab es u.a. das Buch von Tom Segev über die 7.Million.

Israel hatte es bis zum Eichmannprozess schwer mit den Menschen aus dem Holocaust. Aber dann hatte man aufgeschreckt plötzlich verstanden und begann doch nach und nach zu begreifen und die Shoah zu thematisieren.

Und wir ? Wir hören mit Bewegung ihre Geschichte und von ihren Wegen und Wundern des Überlebens – und die Schüler (und wir) begreifen, dass das ja zu unserer Geschichte gehört, Teil unserer Geschichte ist – und dass wir uns überhaupt nicht distanzieren können. Fassungslos bin ich, dass es manche Schuldirektoren ganz und gar an jeder Form von Empathie vermissen lassen, wenn sie z.B. zur Begrüßung in den Klassenraum kommen und den Schülern „viel Spaß“ bei dem Zeitzeugengespräch wünschen. Das ist so geschehen.

Die Schüler sind ihr indes sehr nahe gewesen und haben es ihr sehr deutlich auf ihre Weise zu verstehen gegegen.

Sie und alle inhaltlich Beteiligten haben verstanden : Es ist ein unglaublichesn Geschenk, dass sie die Kraft und den Mut hat, hierher zu kommen und als Zeugin dieser Zeit zu berichten, was sie erlebt hat. Hoffen wir auf die nächste Begegnung!

Rudi-Karl Pahnke, 19.05. 2017

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